Die verborgene Welt der Faszien und ihr Einfluss auf Körper und Geist
- Denise Geier

- 30. Mai 2016
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Feb.
Faszien sind ein faszinierendes, aber oft übersehenes Gewebe im menschlichen Körper. Sie durchziehen unseren Körper wie ein unsichtbares Netz, das Muskeln, Knochen und Organe umhüllt und verbindet. Dieses Bindegewebe gibt uns Halt, Stabilität und Beweglichkeit. Doch Faszien sind mehr als nur eine körperliche Struktur: Sie beeinflussen auch unser Wohlbefinden und unsere Wahrnehmung. In diesem Beitrag entdecken wir, wie Faszien funktionieren, warum sie so wichtig sind und wie sie unser Leben in sechs verschiedenen Lebensdimensionen prägen.

Was sind Faszien und wie sind sie aufgebaut?
Faszien bestehen aus kollagenen und elastischen Fasern, die sich netzartig durch den gesamten Körper ziehen. Sie haben keinen Anfang und kein Ende, sondern bilden ein durchgehendes Gewebe. Dieses Bindegewebe ist mit einer Flüssigkeit durchzogen, die sogenannte Zwischenzellmasse, die Wasser und Fett speichert. Außerdem leitet das Fasziennetz Lymphe, Nerven und Blutgefäße weiter.
Jeder Muskel, jeder Knochen und jedes Organ wird von Faszien umgeben und an seinem Platz gehalten. Dadurch ermöglichen sie uns, aufrecht zu gehen und uns zu bewegen, ohne große Kraftanstrengung. Faszien sind flexibel, dehnbar und durchlässig – Eigenschaften, die für unsere Beweglichkeit und Stabilität entscheidend sind.
Die Verbindung zwischen Faszien und dem Nervensystem
Das Fasziennetz ist reich an Rezeptoren, Sinneszellen und Nervenendigungen. Diese sind mit dem vegetativen Nervensystem verbunden und ermöglichen uns, unseren Körper dreidimensional wahrzunehmen. Über diese Verbindung erleben wir Gefühle und Empfindungen.
Stress, ob körperlich oder psychisch, wirkt sich direkt auf die Faszien aus. Stresshormone verändern ihre Form, Durchlässigkeit und Elastizität. Das Gewebe kann sich verkleben, verdrehen oder verfilzen, wenn es zu viel Spannung, Überdehnung oder Druck ausgesetzt ist. Solche Veränderungen können innere Unruhe, Stress oder Schmerzen auslösen.
Faszien und Schmerzen – eine oft unterschätzte Ursache
Viele Schmerzen, die sich mit Röntgen oder anderen Diagnoseverfahren nicht genau erklären lassen, hängen mit Veränderungen im Fasziengewebe zusammen. Verklebte oder verhärtete Faszien können die Ursache für chronische Schmerzen sein, die oft als diffuse Beschwerden wahrgenommen werden.
Die gute Nachricht ist, dass das Arbeiten an den Faszien erstaunlich schnelle und nachhaltige Verbesserungen bringen kann. Durch gezielte Techniken lassen sich Faszien lösen, ihre Elastizität wiederherstellen und Schmerzen lindern.
Gesunde Faszien – wie fühlen sie sich an?
Gesunde Faszien sind:
durchlässig
beweglich
flexibel
dehnbar
von einer solartigen Flüssigkeit durchdrungen
Ein Mensch mit gesunden Faszien bewegt sich aufrecht, fühlt sich im Gleichgewicht und ist im Fluss mit sich und seiner Umwelt. Die Faszien sorgen dafür, dass wir uns leicht und frei bewegen können, ohne Verspannungen oder Schmerzen.
Faszien in sechs Lebensdimensionen
In der Ganzheitlich-Integrativen Atemtherapie IKP, basierend auf dem anthropologischen Würfelmodell von Yvonne A. Maurer, zeigen sich die vielfältigen Merkmale und Behandlungsmöglichkeiten der Faszien. Dieses Modell betrachtet den Menschen in sechs Lebensdimensionen, in denen Faszien eine zentrale Rolle spielen:
Körperliche Dimension
Faszien geben dem Körper Form und Stabilität. Sie beeinflussen Haltung, Beweglichkeit und die Fähigkeit, Belastungen auszuhalten.
Emotionale Dimension
Durch die Verbindung zum vegetativen Nervensystem nehmen Faszien Emotionen auf und speichern sie. Verspannungen können sich als emotionale Blockaden zeigen.
Mentale Dimension
Faszien beeinflussen die Wahrnehmung des Körpers und damit auch das Selbstbild und die mentale Gesundheit.
Soziale Dimension
Ein gesunder Körper mit beweglichen Faszien unterstützt soziale Interaktionen durch eine offene und aufrechte Haltung.
Spirituelle Dimension
Faszien ermöglichen das Erleben von Verbundenheit mit sich selbst und der Umwelt, was für viele Menschen eine spirituelle Erfahrung ist.
Umweltbezogene Dimension
Die Faszien reagieren auf äußere Einflüsse wie Temperatur, Bewegung und Stress und passen sich an die Umweltbedingungen an.
Praktische Tipps für gesunde Faszien
Um die Gesundheit der Faszien zu fördern, können folgende Maßnahmen helfen:
Regelmäßige Bewegung
Sanfte Dehnübungen, Yoga oder Pilates halten Faszien flexibel.
Hydration
Ausreichend Wasser trinken unterstützt die Flüssigkeit in den Faszien.
Stressabbau
Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation reduzieren Spannungen.
Faszientraining
Spezielle Übungen und Massagen lösen Verklebungen und fördern die Durchblutung.
Bewusste Körperhaltung
Aufrechte Haltung entlastet das Fasziennetz und verhindert Verspannungen.
Fazit
Faszien sind ein komplexes und lebenswichtiges Gewebe, das unseren Körper und Geist tief beeinflusst. Sie geben uns Halt, ermöglichen Bewegung und sind eng mit unserem Nervensystem verbunden. Veränderungen im Fasziengewebe können Schmerzen und Stress auslösen, während gesunde Faszien unser Wohlbefinden stärken.
Wer sich mit seinen Faszien beschäftigt und sie pflegt, kann nicht nur körperliche Beschwerden lindern, sondern auch emotionales Gleichgewicht und innere Ruhe fördern. Die Entdeckung der Faszien eröffnet neue Wege, Körper und Geist ganzheitlich zu verstehen und zu unterstützen.
Basierend auf dem Artikel aus der Zeitschrift "Atemzeit"



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